2013-10-17 San Francisco:

Letzter Tag unserer Reise:
Gemütliches Frühstück.
Einige erzählen, wie klasse es gestern Abend mit dem Cable Car war. Vielleicht durften sie wegen „der nationalen Freude über die Wiederaufnahme der Regierungsgeschäfte“ den ganzen Abend kostenlos fahren.
Der Fahrer machte Späße und ließ die Fahrgäste mal aussteigen und schieben.

Manche gehen noch ein letztes mal shoppen, andere nutzen die Gelegenheit und besuchen die Gefängnisinsel Alcatraz.

15:00 Uhr Abfahrt nach Petaluma zum letzten Konzert.

Thorsten erzählt noch eine Story vom Science Museum gestern:
„Ich hab mer geschdern im Museum ferr mei Fra e Plüsch Pinguin kaaft. Denne hann se mer schää in e Bapiertutt inngepackt.
Dann bin ich in de Bereich vunn de Meeresbiologie gang und hab mer die Roche in demm große Becke aangeguckt.
Ferr e Foto wollt ich die Tutt uff die Glasplatt abstelle. Machts Platsch und die Tutt fallt ins Wasser, do war gar kää Glasplatt!
Ich greife doninn unn zieh se widder raus, do geht e Alarm loos.
Schunn warn Security Leit doo.
Die hann mich uffgeklärt, dass mer net ins Roche Becke greife derf.
Ich geh widder in de Shop un froo „Excuse me, I need a new Tutt, please!“ “

In Petaluma sind die Trucker schon beim Abladen.
Wir werden von Mitgliedern des Accordion Club Of The Redwoods und der „Hermanns Söhne“ sehr freundlich begrüßt.
Manche sprechen uns auf englisch, viele aber auf deutsch an.
Alle sind sehr freundlich und informativ.
Man zeigt uns das Museum der Hermanns Söhne, einer Loge, der die Halle gehört.
131017_Museum
Die Geschichte verstehen wir nicht so ganz, das tut aber dem Gespräch keinen Abbruch.
Der Accordion Club hat ungefähr 200 Mitglieder. Hier trifft man sich einmal im Monat, meist kommen ca. 75 Mitglieder.
Man hält jeweils eine ganz kurze Geschäftszeit für aktuelle Anliegen.
Dann gehört der Abend der Geselligkeit. Ca. 4 Jugendliche genießen ein Scholarship, das heißt auf Kosten des Clubs können sie bis zu 6 Monate Akkordeonunterricht nehmen. Macht es Spaß, sorgen die Eltern für die weitere Ausbildung.
An den Clubabenden gibt man den Schülern die Möglichkeit zum Vorspielen. Manchmal werden auch andere Akkordeonspieler eingeladen.
Gemeinsames Essen darf natürlich bei diesen Treffen auch nicht fehlen.
Laut Aussage des Club Direktors Tony Mustaro hat man etwas Sorge um den Nachwuchs, sei doch das Durchschnittsalter recht hoch.
Das wird aber nur im Nebensatz erwähnt. Viel mehr kommt die Offenheit den Besuchern gegenüber und Freude über den einmaligen Anlass zum Ausdruck. Dies sei heute das erste Konzert dieser Art überhaupt.

Aufgrund der Werbung ( Ankündigung des Konzerts) ist die Halle mit 240 Sitzplätzen bereits ausverkauft.

Schon eine Stunde vor Beginn füllt sich der Raum, der noch vom Oktoberfest vor einer Woche echt bayrisch geschmückt ist. Man holt sich etwas zum Essen und Trinken, geht aufeinander zu; Vorfreude liegt in der Luft.
Die Gesangvereinskapelle übt noch eine Polka, als zwei Frauen in den Raum tanzen. Viele nehmen wippend den Rhythmus auf. Befreundete Besucher umarmen einander.
Im Akkordeon Orchester ist man etwas nervös. Wie wird unser letztes Konzert hier aufgenommen?

131017_Wiebke
Dann stellt sich ein Herr Hirdt als Präsident der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft vor. Er erzählt, dass er in Landstuhl im Militärhospital gearbeitet hatte und durch Kontakte zum Offiziersclub auf die Idee zum Auswandern kam. Man hatte ihm erzählt, das Geld liege auf der Straße. „So war es aber nicht. Niemand hat mir was geschenkt. Trotzdem habe ich etwas erreicht, was in Deutschland nie möglich gewesen wäre“. Und dann stellt sich heraus, dass Herr Hirdt Wiebkes Großvater „de Becker Erich aus Miesebach“ kennt, „Unn es Brunhilde wohnt in Los Angeles. Das hammer ’95 do besucht. Ei, das iss jo schään.“ So entstehen ganz schnell Kontakte zwischen den Accordion Club Mitgliedern und uns.

Als dann die Gesangvereinskapelle aufspielt, springt ganz schnell der Funke über. Der ganze Raum schunkelt und klatscht.
Nach dem Vortrag langer und lauter Applaus. Das spornt die Musiker an und in gelöster Stimmung wird musikalische Höchstleistung möglich. Nach fast jedem Stück stehen die Besucher zum Applaus. Man spürt ein Gribbeln, eine solche Stimmung haben wir bisher auf keinem Konzert erlebt.
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Als das Akkordeon Orchester den zweiten Teil des Konzerts mit Schlagwerk eröffnet, spürt man wieder die Begeisterung im Publikum. Da keine Sitzplätze mehr zur Verfügung stehen, stellen sich die Freunde der Gesangvereinskapelle an einer Wand auf und spornen die Akkordeonisten an. Ganz schnell wird auch dieser so ganz andere Musikstil aufgenommen und wieder lange und stehend applaudiert.
Mit den beiden gemeinsamen Stücken legen die vereinten Orchester noch eins drauf, so wird das Konzert zu einem grandiosen Erlebnis für alle Beteiligten und eigentlich will keiner nach Hause.
Die Gespäche gehen hinterher weiter. Man versteht sich einfach prima.
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(Foto Markus Baldermann)
Es wird noch gegessen, getrunken, über den großartigen Abend philosophiert.
Keiner denkt ans Zusammenpacken, bis Holger und Roland (die Trucker) um Unterstützung bitten. Müssen doch die Instrumente heute Abend noch gut verpackt werden, denn morgen werden sie für den Rücktransport zur Spedition Schenker gebracht.
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(Fotos Markus Baldermann)

Diese Tour hätte nicht schöner zu Ende gehen können. Die ganzen Eindrücke müssen nun erst noch verarbeitet werden.

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